Akupunktur und Akupressur bei Schlafstörungen                          - die wissenschaftliche Studienlage:

Schlafstörungen sind eine häufige Beschwerde. Es wird geschätzt, dass darunter 10-20% der Weltbevölkerung leiden. Sie sind häufig mit anderen Beschwerden, gesundheitlichen Problemen oder Reduktion von Lebensqualität assoziiert.

 

1. Eine kleine Studie aus Taiwan (Tu et al 2012) mit 33 Patienten hat Akupunktur mit einem gängigen Schlafmittel bei primären Schlafstörungen verglichen. (primär bedeutet, dass die Schlafstörung nicht Folge einer anderen Erkrankung  war).Akupunktur wurde für 4 Wochen wöchentlich durchgeführt. Die Medikamentengruppe nahm täglich vor dem Schlafengehen das Schlafmittel Zolipidem 10 mg. In beiden Gruppen konnte der Schlaf der Patienten signifikant verbessert werden.

Schlussfolgerung: Akupunktur ist der schlaffördernden Wirkung von Zolpidem gleichwertig und kann als Alternative eingesetzt werden.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22981051

 

 

2. Eine randomisiert kontrolliert, einfach verblindete Studie (Guo et al 2013) hat die Wirkung einer sechs-wöchigen Akupunkturtherapie auf Schlafqualität und Teilnahme am Tagesgeschehen untersucht. Insgesamt wurden 180 Patienten mit primären Schlafstörungen per Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe erhielt Akupunktur plus Placebo-Tablette, die zweite Gruppe nahm jede 2. Nacht  ein Schlafmittel (Estazolam 1 mg – ein Benzodiazepin) und bekam Akupunktur an nicht spezifisch schlaffördernden Punkten an den anderen Tagen. Die dritte Gruppe erhielt nach demselben Schema Akupunktur und Tabletten wie Gruppe 2, nur waren die Tabletten gänzlich ohne Wirkstoff.

In alle drei Gruppen verbesserte sich Schlafqualität, Tageswachheit und  Vitalität und die Tagesschläfrigkeit nahm ab. Im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen verbesserten sich die Parameter der Akupunkturgruppe mit schlaffördernden Akupunkturpunkten signifikant. Dieser Effekt hielt bis zum Ende der Studie an (2 Monate). In der Gruppe mit dem Schlafmittel zeigten sich mit Abstand die meisten Nebenwirklungen.

Schlussfolgerung: spezifisch-schlaffördernde Akupunktur ist der unspezifischen Akupunktur und der Einnahme von schlaffördernden Medikament (Estazolam) bei der Behandlung von Schlaflosigkeit überlegen und kann zur Therapie von Schlafstörungen eingesetzt werden.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24159338

 

 

3. Bei einer Übersichtsarbeit (Yeung et al 2012) von 40 randomisiert kontrollierten Studien mit insgesamt 4115 Studienteilnehmern, zur Behandlung von Schlafstörungen mit Akupressur, Reflexzonenmassage und Massage an Ohrakupunkturpunkten zeigte sich, dass Akupressur als Einzeltherapie geringfügig besser war als die Kontrollen. Auf Grund der Vielzahl der Studien waren auch die Kontrollgruppen sehr unterschiedlich: Medikation mit Schlafmitteln, leichte Berührung an Akupunkturpunkten oder an Nicht-Akupunkturpunkten, chinesische Kräutertherapie, Pflaster an Ohr-Akupunkturpunkten, keine Therapie, sogenannte Schlafhygiene, oder Nadelakupunktur am Körper. Auch die Dauer der Schlafstörungen der eingeschlossenen Patienten war sehr unterschiedlich: zwischen 3 Tagen und 35 Jahren. Zwischen den Studien gab es ebenfalls große Unterschiede, wie die Schlafstörungen diagnostiziert wurden.

Die Studien, die eine Massage an Ohrakupunkturpunkten mit einer Minimal Massage des Ohrs, schlaffördernden Medikamenten (Benzodiazepinen), keiner Therapie oder Routineversorgung verglichen, kamen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Teilweise war die Massage des Ohres der medikamentösen Therapie signifikant überlegen. Rechnet man allerdings alle Ergebnisse zusammen, wie es in großen Übersichtsarbeiten üblich ist, ist es nicht eindeutig, ob Massage an Ohrakupunkturpunkten wirksamer ist als zum Beispiel eine Minimalakupunktur.

Es konnte außerdem gezeigt werden, dass Akupressur, Reflexmassage und Massage an Ohrakupunkturpunkten signifikant besser war als Standardversorgung alleine oder keinerlei Behandlung.

Leider war die Qualität der Studien zum größten Teil so gering, dass die Autoren keine klare Aussage über den generellen Vorteil von Akupressur, Reflexmassage und Massage von Ohr-Akupunkturpunkten treffen konnten. Sie fordern bessere Studien zu dem Thema.

Empfehlung: Auf Grund der uneinheitlichen Studienlage können unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten Techniken wie Akupressur, Reflexzonenmassage oder Massage von Ohrakupunkturpunkten nur eingeschränkt als zusätzliche Behandlung zur Standardtherapie bei Schlafstörungen empfohlen werden.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22841034

 

 

4. Schlafstörungen bei Frauen nach den Wechseljahren ist häufig zu beobachten und reduziert die Lebensqualität der betroffenen Frauen. Eine Übersichtsarbeit (Bezerra et al 2015) fasst die Ergebnisse von 12 Studien zusammen. Die Studien waren in ihrem Design sehr heterogen, zeigten aber alle, dass sich der Schlaf der Frauen mit Akupunktur gebessert hat.

Auf Grund der geringen Anzahl von Studien mit gleichen Zielparametern, nicht auf Grund mangelnder Effektivität, kann noch keine generelle Empfehlung für Akupunktur bei Schlafstörungen von Frauen nach den Wechseljahren gemacht werden.

Schlussfolgerung: Es gibt sehr gute Hinweise, dass Akupunktur Frauen in der Menopause bei Schlafstörungen hilft, jedoch ist die Studienlage noch gering.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26366181

 

 

5. Eine kleine randomisiert  kontrollierte, doppelverblindete Studie (Hachul et al 2013) mit 18 Frauen mit Schlafstörungen nach den Wechseljahren zeigte hingegen eine Verbesserung der Schlafqualität und Lebensqualität. Bis auf die Schlafstörungen waren die Frauen gesund, nahmen keine Medikamente oder Hormone. Die Patientinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt, eine Akupunkturgruppe und eine Minimal-Akupunkturgruppe. In beiden Gruppen verbesserte sich Schlaf- und Lebensqualität, in der Akupunkturgruppe jedoch mehr.

Schlussfolgerung: Diese kleine Studie unterstützt die Annahme, dass Akupunktur bei Schlafstörungen bei Frauen nach den Wechseljahren helfen kann.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22943846

 

 

6. 150 Patienten mit  chronischen Schlafstörungen über 3 Monate verbunden mit einer schweren Depression wurden in einer Studie mit Akupunktur behandelt (Chung et al 2015) In erste Linie wurde die Schlafqualität untersucht und zusätzlich andere Parameter wie Angst, depressive Symptome, Teilnahme am Tagesgeschehen und Nebenwirkungen.

Die Patienten die Akupunktur bekommen hatten, konnten schneller einschlafen als Patienten mit Minimalakupunktur. Allerdings zeigte sich insgesamt kein signifikanter Vorteil der Akupunktur im Gegensatz zu Minimal- oder Scheinakupunktur. Eine andere Kontrollgruppe war nicht gebildet worden.

Schlussfolgerung: Akupunktur erzielte bei chronischen, mit schwerer Depression assoziierten Schlafstörungen nur kleine Effekte.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26132682

 

 

7. Sogenannte „Cochrane Reviews“ sind erstrebenswerte, qualitative hochwertige Zusammenfassungen der vorliegenden wissenschaftliche Studien zu einem Thema. Daher sei hier der Cochrane Review von Cheuk et al aus 2012 erwähnt, auch wenn es inzwischen neuere Übersichtarbeiten gibt, deren eingeschlossene Studien bessere Qualität aufweisen.

In diesem Cochrane Review von 2012 wurden 33 Studien mit insgesamt 2293 Studienteilnehmern aufgenommen.

Verglichen mit keiner Therapie, Placebo oder Minimal-Akupressur konnte die Akupressur erfolgreicher die Schlafqualität steigern, die Teilnehmer wachten nachts seltener auf und die Schlafdauer war gesteigert (vier Studien, 392 Teilnehmer). Wurde die Akupunktur oder Elektrostimulationsakupunktur zusätzlich zu einer anderen Therapie (Medikamente wie Benzodiazepine oder Zolpidem sowie chinesische Phytotherapie (Kräuter)) durchgeführt, zeigte sich ein positiver Effekt zu Gunsten der Kombination mit Akupunktur (13 Studien, 883 Teilnehmer). Nur eine der Studien konnte keine Verbesserung der Schlafqualität nach Akupunktur feststellen.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Studienlage sehr heterogen ist und die Studien zum Teil für diesen sehr hoch angesetzten Standard der Cochrane Reviews zu schlechte Qualität aufweisen. Daher folgern sie, dass es derzeit keine starke Evidenz für oder gegen eine Empfehlung zur Akupunktur bei Schlafstörungen gibt. Jedoch weisen sie explizit daraufhin, dass es in allen untersuchten Studien bei der Behandlung mit Akupunktur kaum Nebenwirkungen gab.

Empfehlung: Trotz der heterogenen Studienlage sprechen die Daten dafür, dass die Behandlung mit Akupunktur bei primären Schlafstörungen zu einer Besserung führen kann. Zudem handelt es sich um eine nebenwirkungsarme Therapiemethode.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22972087

 

 

8. 46 Patienten mit primären Schlafstörungen wurden in einer randomisiert kontrollierten Studie (Xuan et al 2007) in 2 Gruppen eingeteilt. Eine wurde mit Akupunktur behandelt, die anderen nahm ein Schlafmittel (Estazolam – ein Benzodiazepin Derivat). In der Akupunkturgruppe verbesserte sich insgesamt das Schlafverhalten deutlich mehr als in der Medikamentengruppe (Effektgröße: Akupunktur: 83,3% - Medikamente: 72,7%). Die Medikamentengruppe verlängerte zwar die Schlafdauer mehr als die Akupunkturgruppe, doch waren die akupunktierten Patienten tagsüber insgesamt wacher und leistungsfähiger und reduzierten ihre Schlafprobleme stärker.

Empfehlung: die Akupunktur ist in dieser Studie dem medikamentösen Schlafmittel überlegen und sollte in der Therapie von Schlafstörungen zum Einsatz kommen.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=18271228

 

 

9. Eine methodisch gute Studie (Yeung et al 2009) mit 60 Teilnehmern vergleicht bei primären Schlafstörungen den Effekt von Elektrostimulationsakupunktur mit Placebo (die Placebonadel wurde nicht durch die Haut gestochen, sondern festgeklebt als Scheinakupunktur auf der Haut- die sogenannte „Streitberger Nadel“). Behandelt wurde drei Mal pro Woche für drei Wochen und gemessen wurde eine Woche nach der letzten Behandlung. In beiden Gruppen besserte sich die Schlafqualität und die Zeit, bis die Probanden eingeschlafen waren signifikant , in der Elektrostimulationsakupunkturgruppe deutlicher als in der Placebogruppe, allerdings nicht signifikant.

Es handelt sich hier um eine interessante Einzelstudie, die den Kurzzeiteffekt aber auch die Punktspezifität untersucht. Ihre Daten fließen in die verschiedenen o.g.  Übersichtsarbeiten ein.

Unsere Schlussfolgerung: Auch die Elektrostimulationsakupunktur ist eine mögliche Therapieform zur Behandlung von Schlafstörungen. Diese Studie zeigt zudem, wie nebenwirkungsarm die Akupunktur ist.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19725255

 

 

 

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Basic Source: Literaturliste des WissZ (online: www.daegfa.de)

Autoren: Stör J; Fleckenstein J; Stör W

Korrespondenzadresse: wissenschaftszentrum@daegfa.de