Studienlage bei onkologischen Erkrankungen:

Anwendungsmöglichkeiten für Akupunktur in der Onkologie


Hier vorgestellt: aktuellstes Review pro Symptom (ggfs. auch mehrere)


Einleitung:
Beim Einsatz von Akupunktur in der Onkologie geht es nicht darum, die Grunderkrankung, sondern
vielmehr entstehende Symptome zu behandeln. Dabei ist es unerheblich, ob diese durch den Tumor
(z.B. Schmerzen) oder die Therapie (z.B. chemotherapie-induziertes Erbrechen) verursacht werden.
Oft entspricht es dabei dem Patientenwunsch, dass somit neben der schulmedizinischen Behandlung
auch komplementärmedizinische Verfahren zum Einsatz kommen. Die Akupunktur wird demnach oft
begleitend zu anderen Therapien angewandt und auch oft in Kombination.


Wissenschaftlichen Grundlagen:
Für die wissenschaftliche Anerkennung der Wirksamkeit einer Behandlung sollten Daten von vielen
Patienten / mehreren Studien vorhanden sein. Im Vergleich zu muskuloskelettalen Beschwerden hat
die Akupunkturforschung sich erst später auf Einsatzmöglichkeiten in der Onkologie konzentriert. So
ist erst ab ungefähr 2008 ein starker Anstieg der veröffentlichten Studien zu Akupunktur auf diesem
Gebiet festzustellen. Diese verteilen sich auf die verschiedenen Symptome und Grunderkrankungen.
Daher existieren für viele Symptome bislang nur relativ wenige Studien. Zusammen mit den
verschiedenen Formen der Akupunktur führt dies zu einer „bunten Mischung“ an kleineren Studien,
teilweise mit geringen Teilnehmerzahlen. Sie können aufgrund ihrer Verschiedenheit nur Hinweise
geben, aber nicht zu einer Gesamtaussage zusammengefasst werden können. Für die
wissenschaftliche Datenlage ist dies ein Nachteil, für die klinische Praxis jedoch eine Stärke der
Akupunktur: Durch die Vielfalt kann sie individuell an den einzelnen Patienten und dessen
Bedürfnisse angepasst werden kann. Dies betrifft nicht nur die Auswahl geeigneter Punkte, sondern
auch die Anzahl der Nadeln, Nadeldicke, -tiefe, sowie Stimulationsdauer und –intensität.
In den letzten sechs Jahren ist die Zahl der Studien auf dem Gebiet der Onkologie stark angestiegen,
so dass man optimistisch sein kann, dass hier in den nächsten Jahren definitivere Aussagen getroffen
werden können. Im Folgenden werden für die unterschiedlichen Symptome Studien und deren
Ergebnisse zusammengefasst. Übersichtsarbeiten werden dabei bevorzugt beschrieben, da sie
bereits eine Zusammenfassung der bis dahin erschienen Arbeiten darstellen. Sollte ein Symptom
nicht aufgeführt sein, heißt dies nicht automatisch, dass die Akupunktur hier keine Wirkung hat,
sondern lediglich, dass dazu keine Studie gefunden wurde.


Schlussfolgerung und Empfehlung:
Leider muss die wissenschaftliche Evidenz (Nachweis) für die Wirksamkeit der Akupunktur bei den
meisten der Indikationen in der Onkologie und Palliativmedizin bestenfalls als gering eingestuft
werden. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Wirksamkeit gering ist- die Mehrzahl der
durchgeführten Studien zeigte positive Behandlungseffekte für die Akupunktur. Die Evidenz für eine
positive (oder auch keine oder eine negative) Wirkung kann als gering, moderat, hoch oder sehr hoch
eingestuft werden. Diese Einstufung beschreibt vor allem die Menge und Qualität der existierenden Studien unabhängig von deren Ergebnissen. Da nur wenige Studien zu alternativen und komplementärmedizinischen Verfahren über hinreichen finanziellen Mittel verfügen, großen Multicenterstudien mit der Hilfe von Statistikern durchzuführen, wird die Studienqualität oft als nicht hoch eingestuft. Dieses Verfahren ist, besonders für den Patienten, oft schwer zu durchblicken und führt zu Verunsicherungen. Eine gute Aufklärung durch den behandelnden Akupunkteur und Arzt kann hier hilfreich sein. Bei fast allen der unten aufgeführten Indikationen gibt es Studien, die positive Behandlungseffekte zeigen, die als Hinweise gewertet werden können. Bei guter Ausbildung des Akupunkteurs und unter der Berücksichtigung von bestimmten Vorsichtsmaßnahmen kann die Akupunktur eine sichere und nebenwirkungsarme Begleittherapie in der Onkologie darstellen.


Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen (CINV)
Dies ist eines der Symptome von onkologischen Patienten, für das relativ viele Publikationen existieren. Bereits 2006 deuteten sich positive Effekte durch Akupunktur an [11]. Die aktuellste Übersichtsarbeit von Ezzo et al. von 2014 muss derzeit leider überarbeitet werden und ist aus diesem Grund nicht einsehbar [10]. Eine weitere Übersichtsarbeit von Garcia et al. von 2013 zu verschiedenen Symptomen, beinhaltet auch CINV. Sie fasst elf Studien bis einschließlich Dezember 2011 zusammen [14]. Anhand dieser kommen die Autoren zu der Schlussfolgerung, dass Akupunktur eine geeignete Begleittherapie für CINV darstellt. Da die Qualität einiger Studien verbessert werden könnte, empfehlen Sie darüber hinaus weitere Studien durchzuführen.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3577953/pdf/zlj952.pdf


Seit der Übersichtsarbeit wurden weitere Studien veröffentlicht. Einige davon bringen aufgrund der kleinen Fallzahl, der Wahl der Kontrolle oder des Einsatzes der Akupunktur als Zusatz (add-on) zur regulären Therapie nur wenig neue Erkenntnisse: Yeh et al. konnten bei einer Studie an zehn Kindern im Cross-over Design keinen Unterschied zwischen Ohrakupressur und Sham-Ohrakupressur feststellen [27]. Eghbali et al. untersuchten ebenfalls Ohrakupressur, allerdings als add-on zur medikamentösen Standardtherapie bei 48 Brustkrebspatientinnen. Sie konnten keinen Benefit der Ohrakupressur feststellen [9]. Ebenfalls als add-on zur medikamentösen Therapie untersuchten Avc et al. die Akupressur an Perikard 6 oder das hierzu kommerziell erhältliche Armband. An insgesamt 90 Patienten stellten sie einen positiven Effekt für das Armband, nicht aber für die Akupressur fest [1]. Shen et al. verglichen Elektroakupunktur an K1 (einem Punkt an der Fußsohle) mit Elektrostimulation an der Ferse, jenseits von bekannten Akupunkturpunkten (beide als add-on zu Medikamenten). Sie fanden keinen Unterscheid zwischen den Gruppen [26].


Wissenschaftlich interessanter aufgrund ihres Designs und / oder der Anzahl der Studienteilnehmer sind die folgenden drei Arbeiten:
Bei der Studie von Rithirangsriroj et al. bekamen 70 Patienten in einem Cross-over-Design entweder eine Akupunkturbehandlung oder 8 mg Odansetron. Zusätzlich erhielten alle Patienten Dexamethason und konnten bei Bedarf alle 12h 4mg Odansetron anfordern. In der Akupunkturgruppe zeigten signifikant weniger Patienten überhaupt keine Übelkeit. Zusätzlich war
dort die Stärke der Übelkeit geringer und es wurden weniger zusätzliche Dosen an Odansetron angefordert [25].
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25449310


Einen ähnlichen Ansatz verfolgten Liu et al. in ihrer Studie an 60 gynäkologischen Tumorpatientinnen zwischen dem zweiten und fünften Tag der Chemotherapie. Dort verglichen sie Akupunktur in Kombination mit Ingwermoxibustion gegen Tropisetron und Dexamethason. Sowohl die Häufigkeit von Übelkeit als auch die Stärke waren geringer in der Akupunkturgruppe. Außerdem litten die die Patienten in dieser Gruppe signifikant weniger häufig an Verstopfung und die Therapiekosten waren geringer [22].
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25579196


In einem klassischen, dreiarmigen Design verglichen Molassiotis et al. Akupressurarmbänder für Pe 6 und Sham-Armbänder als add-on zur medikamentösen Behandlung mit medikamentöser Behandlung alleine an 500 Patienten. Die Stärke der Übelkeit war leicht gemindert in beiden Armbandgruppen, erreichte aber keine statistische Signifikanz [23].
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23602325


Unsere Schlussfolgerung: Die Datenlage rechtfertigt den begleitenden Einsatz von Akupunktur für Therapie und Prävention von CINV. Ohrakupressur und Fußsohlenakupunktur scheinen dabei eher weniger geeignet, sofern man aus den dazu vorliegenden, kleinen Studien überhaupt Schlüsse ziehen möchte. Bezüglich der Wirksamkeit des Akupressurarmbands sind die Daten widersprüchlich, die relativ große Studie von Molassiotis spricht eher gegen eine herausragende Wirksamkeit. Da hier jedoch weder Nebenwirkungen noch große Kosten gegen den Einsatz sprechen, kann dies begleitend versucht werden.


Schmerzen
Auch auf diesem Gebiet wurde viel geforscht und es gibt zwei aktuelle Übersichtsarbeiten von 2016 und 2015:
Paley et al. führten eine Cochrane Analyse durch. Dies sind Übersichtsarbeiten, die vorgegebenen Regeln folgen und daher als hochwertig angesehen werden [24]. Es wurden 5 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 285 Patienten ausgewertet, die bis Juli 2015 veröffentlicht worden waren. Die Autoren standen vor der, in der Einleitung beschriebenen Schwierigkeit der Verschiedenheit der existierenden Studien, so dass es nicht möglich war die Studien für eine statistische Auswertung zusammenzufassen (Metaanalyse). Drei der fünf Studien verglichen Akupunktur mit Placebo- oder Sham-Akupunktur. Zwei davon fanden einen signifikanten Unterschied zugunsten der Akupunktur. Eine weitere Arbeit verglich Akupunktur mit medikamentöser Schmerztherapie und fand die Akupunktur ebenfalls überlegen. Die letzte analysierte Studie verglich Akupunktur und Punktinjektionen mit Medikamenten. Während der ersten 10 Tage des Beobachtungszeitraums waren die Medikamente überlegen, während der letzten zehn Tagen waren
alle Behandlungen gleichwertig. Alle Studien hatten Defizite in der Studienqualität, u.a. eine zu geringe Teilnehmerzahl. Paley et al. ziehen die Schlussfolgerung, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine wissenschaftlich-fundierte Aussage zur Wirksamkeit der Akupunktur in der Tumorschmerztherapie getroffen werden kann, dass die vorhandenen Ergebnisse aber vielversprechend sind.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26468973


Hu et al. analysierten 20 Arbeiten mit insgesamt 1639 Patienten [16] die unter Schmerzen im Rahmen ihrer Tumorerkrankung litten. In diesen Studien wurde die Akupunktur entweder als alleinige Schmerztherapie oder als Zusatz zur medikamentösen Therapie mit medikamentöser Therapie oder Sham-Akupunktur verglichen. Neun Studien davon verglichen Akupunktur als alleinige Therapie mit medikamentöser Schmerztherapie. Hier war die Akupunktur den Medikamenten nicht überlegen. Elf Studien verglichen Akupunktur als Zusatz zur medikamentösen Therapie mit nur medikamentöser Schmerztherapie. Die Kombination mit Akupunktur linderte die Schmerzen signifikant besser, schneller und länger als nur Medikamente alleine. Zwei der Studien verglichen gegen Sham-Akupunktur und konnten keine Überlegenheit zeigen. Da die meisten der untersuchten Studien nur ungenügende Angaben zu der Vorgehensweise machten, konnte ihre Qualität nicht ausreichend eingeschätzt werden. Es sollte daher noch weitere Studien durchgeführt werden.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26977172


Unsere Schlussfolgerung:
Unmittelbar auffallend ist der Unterschied der Anzahl der analysierten Arbeiten in den beiden Übersichtsarbeiten, die sich beide mit dem Thema Tumorschmerz beschäftigen. Dies ist vermutlich dadurch verursacht, dass Hu et al. auch chinesischen Datenbanken in die Literatursuche einschlossen und sogar einige Journale, die nicht in elektronischen Datenbanken geführt werden manuell durchsuchten. In der Summe ist die Qualität der Studien sicher verbesserungsfähig, so dass hier noch mehr geforscht werden muss, bevor wissenschaftlich fundierte Aussagen getroffen werden können. Die Ergebnisse sind jedoch vielversprechend und rechtfertigen auf alle Fälle einen Behandlungsversuch mit Akupunktur.


Hitzewallungen:
Ebenfalls relativ viele Studien beschäftigen sich mit Hitzewallungen, die durch die anti-hormonelle Therapie bei z.B. Brust- oder Prostatakrebs verursacht werden. Auch hier gibt es zwei aktuelle Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2015 und 2016:
Johns et al werteten 13 randomisiert-kontrollierte Studien an Brustkrebspatientinnen die sich mit verschiedenen Behandlungen von Hitzewallungen befassten, aus. Zwei der Studien untersuchten die Akupunktur, einmal im Vergleich mit dem Medikament Gabapentin, einmal mit Venlafaxin. In beiden Fällen war die Akupunktur gleichwertig zu der medikamentösen Behandlung, wobei der Akupunktureffekt nach Beendigung der Behandlung länger anhielt. In der Gabapentingruppe traten Benommenheit, Schwindel und Erschöpfung als Nebenwirkung auf, bei den Patienten mit Venlafaxin Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit und Schwindel, bei der Akupunktur wurden blaue Flecke als unerwünschte Wirkung genannt. Interessanterweise stellten andere Studien in der gleichen
Übersichtsarbeit fest, dass beide Medikamente effektiv in der Behandlung waren, wobei in einer Arbeit das Venlafaxin dem Gabapentin vorgezogen wurde [18].
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27015968


Garcia et al. verfassten eine Übersichtsarbeit, in der 8 Studien mit insgesamt 474 Brustkrebspatientinnen analysiert wurden [13]. Die Nachbeobachtungsdauer schwankte zwischen einer Woche und 24 Monaten. Eine statistische Auswertung aller Studien zusammen konnte nicht durchgeführt werden, da die Kontrollgruppen zu unterschiedlich waren. Alle Studien fanden eine signifikante Verbesserung der Hitzewallungen im Vorher-Nachher-Vergleich. Akupunktur war genauso effektiv wie Hormonersatztherapie oder Venlafaxin (bei letzterem handelt es sich allerdings um die gleiche Studie, die bereits von Johns et al. [18] ausgewertet wurde). Fünf Studien wählten den Vergleich mit Sham-Akupunktur. Hierbei war die Akupunktur der Sham-Akupunktur in zwei Studien signifikant überlegen und in einer weiteren war sie überlegen in Bezug auf die Verminderung von nächtlichen Hitzewallungen. Keine der acht Studien konnte bei der Qualitätseinschätzung als „niedrige Fehlerwahrscheinlichkeit“ eingestuft werden. Die Autoren wünschen sich weitere Studien, insbesondere mit dem Vergleich zwischen Akupunktur, Sham-Akupunktur und Medikamenten.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26281028


Unsere Schlussfolgerung:
Die wissenschaftliche Datenlage ist aufgrund von fehlenden Angaben oder verminderter Qualität der existierenden Studien nicht eindeutig. Es bestehen allerdings gute Hinweise, dass die Akupunktur Hitzewallungen im gleichen Maß wie verschiedene Medikamente vermindern kann. Insbesondere in Hinblick auf das deutlich günstigere Nebenwirkungsprofil der Akupunktur im Vergleich zu Medikamenten kann hier eine Akupunkturbehandlung bevorzugt versucht werden.
Aromatase-Inhibitor induzierte Arthralgien
Auch hier handelt es sich um die Behandlung von Nebenwirkungen der Tumortherapie. Es existieren drei relativ neue Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2015:
Bae et al. werteten 4 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 193 Teilnehmern aus [2]: In einer dreiarmigen Studie war die Elektroakupunktur der Wartelistengruppe signifikant überlegen, nicht aber der Sham-Elektroakupunktur. In einer weiteren der vier Studien war die Akupunktur der Kontrolle signifikant überlegen. In den restlichen zwei Studien zeigte sich zwar eine signifikante Verbesserung im Vorher-Nachher-Vergleich, nicht aber zwischen Verum- und Sham-Akupunktur. Nur zwei der vier Studien konnten als qualitativ hochwertig eingeordnet werden, hatten aber eine relativ geringe Teilnehmerzahl. Bae et al. schlossen, dass Akupunktur das Potential hat, Aromatase-inhibitor induzierte Arthralgien zu lindern. Auch Halsey et al. [15] werteten die vier Studien wie Bae et al. [2] aus und beschrieben dieselben Ergebnisse.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26220605
Chien et al. [5] werteten dieselben Studien wie seine Kollegen aus, allerdings noch eine weitere zusätzlich. Anders als Bae et al. werteten sie alle fünf Studien als qualitativ hochwertig. Drei der fünf Studien zeigten positive Ergebnisse für die Akupunktur. Chien et al. führten eine Metaanalyse durch,
d.h. sie fassten die Daten der fünf Studien zusammen für die Auswertung. Sie sahen dabei den Trend, dass Akupunktur sowohl die Schmerzen als auch die Steifigkeit lindern kann, allerdings waren die Ergebnisse nicht statistisch signifikant.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4432489/


Unsere Schlussfolgerung: Die wissenschaftliche Datenlage auf diesem Gebiet ist mit vier Studien unklarer oder schlechter Qualität noch sehr beschränkt. Es scheinen sich mögliche Effekte anzudeuten. Dies ist nicht ganz überraschend, da die Akupunktur ja auch bei Schmerzen mit anderen Ursachen positive Effekte erzielt hat.

 


Schlafstörungen:
Choi et al. fassten sechs Studien, die bin einschließlich Januar 2016 veröffentlicht worden waren zusammen [6]. Zwei Studien verglichen die Akupunktur mit Sham-Akupunktur. Eine davon zeigte signifikante Verbesserungen in der Akupunkturgruppe. Die drei Studien, die Akupunktur mit Medikamenten verglichen wurden als Metaanalyse zusammen ausgewertet. In dieser Zusammenfassung zeigte sich eine signifikante Überlegenheit der Akupunktur. Gegenüber der Hormontherapie (eine Studie) war die Akupunktur signifikant überlegen im Hinblick auf die geschlafenen Stunden pro Nacht und die Anzahl des Aufwachens. Trotz der guten Ergebnisse für die Akupunktur wurde der wissenschaftliche Evidenzgrad aufgrund der niedrigen Qualität der untersuchten Studien als niedrig eingestuft.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27531549


Unsere Schlussfolgerung: Anders als die anderen hier vorgestellten Arbeiten schlossen sie nicht nur randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) in ihre Übersichtsarbeit eine, sondern auch „quasi-RCTs“. Was damit gemeint ist, lassen die Autoren offen. Nachdem alle Arbeiten eine Kontrollgruppe beinhalten, handelt es sich hier vermutlich um die Art der Randomisierung, die in anderen Studien als ein Faktor für eine niedrige Studienqualität gewertet wird. Damit ergibt sich das leider häufige Problem der Studienqualität. Trotzdem geben die Ergebnisse deutliche Hinweise: Interessant ist hier der Vergleich der Akupunktur mit der medikamentösen Therapie. In diesem Fall ist die Akupunktur nicht nur gleichwertig, sondern sogar überlegen. Abgesehen vom Patientenwunsch, gibt es hier also noch weitere gute Argumente, die Akupunktur bevorzugt einzusetzen.
Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie (CIPN)
Ein weiteres, belastendes Symptom, das durch die Tumortherapie verursacht wird, ist die periphere Polyneuropathie, die durch manche Chemotherapeutika verursacht werden kann. Brami et al. untersuchten Studien, die zwischen Januar 2005 und Mai 2015 zu alternativen und komplementärmedizinischen Therapien zu diesem Thema veröffentlicht worden waren [4]. Eine Arbeit verglich Akupunktur mit drei Kontrollgruppen, darunter ein medikamentöses Placebo und konnte keinen Unterschied zwischen den Gruppen feststellen. In Hinsicht auf den erwarteten Effekt und die Teilnehmerzahlen war diese Arbeit zu schwach ausgelegt. In drei Arbeiten zeigten sich
Effekte im Vorher-Nachher-Vergleich. Dieser Arbeiten waren aber nicht randomisiert und hatte sehr kleine Teilnehmerzahlen.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26652982


Unsere Schlussfolgerung: Aufgrund der Datenlage darf man sich bislang keine großen Hoffnungen bezüglich einer Wirksamkeit der Akupunktur in der Behandlung von CIPN machen. Möglicherweise ändert sich dies, wenn mehr Studien existieren. In der oben vorgestellten Übersichtsarbeit schnitten Vitamin E, L-Glutamin, Omega-3 und das Phytotherapeutikum der Kampo-Medizin Goshajinkigan besser ab als Akupunktur.


Leukopenie / Myelosuppression
Diese Begriffe beschreiben den Abfall der weißen oder aller Blutzellen, die unter Chemotherapie auftreten. Diese Nebenwirkung kann gravierende Folgen für den Patienten haben, denn neben dem Risiko für schwere Infektionen, kann sie dazu führen, dass nicht die erforderliche Anzahl an Zyklen durchgeführt werden kann.
Choi et al. untersuchten sechs Studien mit 681 Teilnehmern zur Wirkung von Moxibustion, die bis Juni 2014 veröffentlicht worden waren [8]. In zwei Arbeiten war Moxibustion als add-on zur Chemotherapie mit nur Chemotherapie verglichen worden, in vier mit verschiedenen Medikamenten (1x Dexamethason, 3x chinesische Rezepturen). Alle sechs Studien fanden positive Effekte für die Akupunktur. Die Studienqualität war niedrig, daher wurde die wissenschaftliche Evidenz auch als niedrig eingestuft.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25471180


Unsere Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit von Choi et al. scheinen auf den ersten Blick sehr positiv für die Akupunktur auszufallen. Auf den zweiten Blick ist die Wirksamkeit der Vergleichsmedikation in den Kontrollgruppen nicht wissenschaftlich erwiesen und der Vergleich der Akupunktur damit nicht sehr aussagekräftig. Wenn man mit maximaler Skepsis davon ausgeht, dass die verwendeten Therapien nicht mehr Effekte als Placebo zeigen, wäre die Akupunktur mindestens wirksamer als Placebo. Daher rechtfertigen die Daten in der Summe einen Behandlungsversuch, insbesondere als zusätzliche Therapie oder falls keine Alternativen existieren.

 


Cancer-related Fatique
Auch zu den Erschöpfungszuständen (Fatique) im Rahmen von Tumorerkrankungen wurden viele Studien durchgeführt, so dass zwei Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2014 existieren. Ling et al. evaluierten die Wirkung von Akupunktur und Akupressur in 11 Studien mit insgesamt 731 Patienten [21]. Nur eine der Studien verglich Akupunktur mit Akupressur, wobei die Akupunktur im direkten Vergleich stärkere Wirkung zeigte. Insgesamt beschrieben sieben von acht Studien positive Akupunktureffekte, allerdings zeigten nur vier davon statistisch signifikante Effekte. Alle vier Studien zu Akupressur fanden signifikante Unterschiede. Acht Studien machten Angaben zu unerwünschte Wirkungen, entweder waren keine oder nur leichte beobachtet worden. Die Studienqualität wurde auch in dieser Übersichtsarbeit als nicht gut beschrieben.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25355016
Lee et al. verfassten 2014 eine Übersichtsarbeit zur Wirkung von Moxa auf die tumor-assoziierte Erschöpfung, in der vier Studien mit insgesamt 374 Teilnehmern evaluiert wurden [19]. Die Gesamtauswertung der Daten ergab eine positive Moxibustionswirkung. Allerdings war auch hier die Qualität der ausgewerteten Studien nicht gut, so dass diese Aussage dadurch eingeschränkt ist.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24609979


Unsere Schlussfolgerung: Akupunktur, Akupressur und Moxa scheinen die tumor-bedingte Erschöpfung positiv beeinflussen zu können. Auch hier besteht leider das Problem der Studienqualität, so dass die Wirksamkeit nicht abschließend beurteilt werden kann.

 


Xerostomie
Für die Mundtrockenheit, die durch Bestrahlungen verursacht sein kann, existieren relativ wenige Studien. Zhuang et al. untersuchten in einer Übersichtsarbeit vier Studien mit insgesamt 110 Patienten [28]. Diese Arbeiten waren bis September 2011 veröffentlicht worden und damit ist die Übersicht leider nicht mehr ganz aktuell. Dabei befasste sich eine Studie mit der Prävention und drei mit der Behandlung von Xerostomie. Zweimal war der gemessene Speichelfluss im Vorher-Nachher-Vergleich signifikant verbessert, nicht aber im Gruppenvergleich mit oberflächlicher / Sham-Akupunktur. Das subjektive Empfinden der Patienten war in allen drei Studien verbessert. Präventiv waren positive Effekte für die Akupunktur zu beobachten. Die Verträglichkeit war gut, schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22791311


Unsere Schlussfolgerung: Xerostomie kann für den Patienten sehr unangenehm sein. Die herkömmlichen Behandlungsmöglichkeiten beschränken sich meist auf Mundpflege, das Lutschen von sauren Bonbons oder gefrorenem Obst und die Anwendung von künstlichem Speichel. Daher kann ein Behandlungsversuch mit Akupunktur gestartet werden, auch wenn die wissenschaftliche Datenlage bisher nur als Hinweise gewertet werden kann.

 


Schluckauf
Lang anhaltender Schluckauf im Rahmen von Tumorerkrankungen zählt nicht zu den ganz häufigen Beschwerden, kann dafür aber umso belastender für die Betroffenen sein. Wie schon bei der Xerostomie ist die einzige Übersichtsarbeit nicht mehr ganz aktuell; sie wurde 2012 von Choi et al. erstellt [7] und beinhaltet fünf Studien. Die Mehrheit der Studien zeigte einen positiven Effekt der Akupunktur im Vergleich mit konventionellen Behandlungen. Trotz den relativ geringen Qualität der Einzelstudien war es den Autoren möglich eine Metaanalyse (zusammengefasste, statistische Auswertung der Einzelstudien) durchzuführen. Hier zeigte sich eine Überlegenheit der Akupunktur
gegenüber muskulären Injektionen. Aufgrund der Studienqualität wurde auch hier die wissenschaftliche Evidenz mit niedrig bewertet.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23131378


Unsere Schlussfolgerung: Die niedrige Qualität der untersuchten Arbeiten macht es erforderlich, die guten Ergebnisse noch in qualitativ höherwertigen Studien zu überprüfen. Nichtsdestotrotz gibt die vorgestellte Arbeit gute Hinweise auf eine Wirksamkeit der Akupunktur im Vergleich mit der herkömmlichen Behandlung, den intramuskulären Injektionen.

 


Atemnot
Das Symptom Atemnot kann für Patient und auch die Angehörigen sehr quälend sein. Leider gibt es wenig aktuelle Arbeiten, die die Wirksamkeit der Akupunktur bei Atemnot untersuchen. Die letzte Übersichtsarbeit dazu wurde von Bausewein et al. 2008 im Rahmen einer Analyse mehrere, nicht-medikamentöse Therapieoptionen erstellt [3]. Hierbei wurden nicht nur Tumorerkrankungen sondern auch andere Lungenerkrankungen untersucht. Insgesamt wurde fünf Studien berücksichtigt. Die Akupunktur zeigte positive Effekte, aber wieder einmal konnte die wissenschaftliche Evidenz dafür nur mit „niedrig“ eingestuft werden. In der gleichen Auswertung wurden folgende Maßnahmen besser bewertet: Vibration, neuromuskuläre Stimulation und Atemgymnastik.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18425927
Javdan et al. berichten in ihrer Arbeit von 2015 über verschiedenen Akupunkturstudien, die an einem amerikanischen Tumorzentrum von ihrer Arbeitsgruppe durchgeführt wurden [17]. Darunter befindet sich auch eine kleine Studie zu Atemnot mit 47 Teilnehmern. In dieser hatte die Akupunktur keine besseren Effekte als Sham-Akupunktur, weder als Soforteffekt, noch nach einer Woche.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26100064


Unsere Schlussfolgerung: Die existierenden Daten sind nicht mehr aktuell, hier wäre dringender Bedarf für neue, qualitativ hochwertige Studien. Es scheint positive Hinweise für eine Wirksamkeit der Akupunktur zu geben, so dass diese eingesetzt werden kann. Allerdings ist der wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweis für andere o.a. nicht-medikamentöse Verfahren besser. Falls diese für den Patienten geeignet sind, sollten sie auch als Alternative genannt werden.

 


Psychische Symptome und Belastungen
Obwohl diese Symptome im klinischen Alltag eine große Rolle spielen, existieren nur wenige Studien, die sich diesem Thema widmen. Jedoch wird die Wirkung von Akupunktur auf Lebensqualität (QOL), Angst und Depression oft als Nebenzielparameter in Studien, die sich eigentlich mit anderen Symptomen beschäftigen, untersucht.
Garcia et al. fanden in ihrer Übersichtsarbeit von 2013 fünf Studien, die diese Themen untersuchten. Vier davon zeigten positive Effekte für die Akupunktur, allerdings waren alle fünf von geringer Qualität [14]. Haddad et al. untersuchten Arbeiten, die zwischen 2000 und März 2013 veröffentlicht worden waren. Sie fanden in insgesamt zwölf Studien Angaben zu Schlafstörungen (4x), Depression (6x) und Angst (4x). In den wenigstens dieser Studien waren die psychischen Symptome als Hauptzielparameter vorrangig untersucht worden. Die Qualität der Studien war gering. Die Autoren geben an, dass alle untersuchten Studien ein positives Signal geben für die Akupunktur bei diesen Indikationen. Außerdem hatte die Akupunktur in einigen Studien weniger Nebenwirkungen als die herkömmlich eingesetzten Medikamente wie Antidepressiva.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3577953/pdf/zlj952.pdf
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24501113


Unsere Schlussfolgerung: Es ist bedauerlich, dass zu diesem wichtigen Thema nur wenige qualitativ hochwertige Studien existieren. Die Autoren der vorgestellten Übersichtsarbeit sprechen daher richtigerweise nur von positiven Signalen. Aufgrund des günstigeren Nebenwirkungsprofils ist ein Behandlungsversuch mit Akupunktur auf alle Fälle angezeigt, vorausgesetzt, dieser entspricht dem Patientenwunsch.

 


Lymphödem
In der unter Atemnot beschriebenen Arbeit von Javdan et al. [17] wird auch eine Pilotstudie zur Akupunktur bei Lymphödem beschrieben. Die Studie ist nicht randomisiert-kontrolliert und wurde nur an 33 Patienten durchgeführt. Elf davon erfuhren ein Reduktion des Armumfangs von >30%, im Durchschnitt allerdings nur 0,90 cm. Nach insgesamt 255 Behandlungen wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen und keine Infektionen beobachtet. Es wurden sterile Einmalnadeln verwendet und lokale Hautdesinfektion durchgeführt.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26100064


Unsere Schlussfolgerung: Die Arbeit wurde nur an sehr wenig Patienten durchgeführt und ist nicht randomisiert-kontrolliert. Die Ergebnisse sind daher mit äußerster Vorsicht zu bewertet. Die Studie wird jedoch dadurch berichtenswert, dass die Akupunktur auch an dem betroffenen Arm durchgeführt wurde. Dies ist ein Vorgehen, das aus Angst vor Infektionen nach bisherigem Kenntnisstand kontraindiziert ist. Interessant ist, dass in der Studie oben keine Infektionen beobachtet wurden. Da die Fallzahl mit 33 Patienten relativ klein war, würden wir trotzdem von Akupunktur an den betroffenen Extremitäten abraten.

 


Verdauungsstörungen / Verstopfung
Besonders nach Operationen sind Verdauungsstörungen relativ häufig. Für dieses Symptom gibt es keine eigene Evaluation, aber es wird in zwei Übersichtsarbeiten, die sich mit der Akupunkturwirkung bei verschiedenen Indikationen befassen, mit untersucht. Bei Lian et al. wurden unter anderem vier Studien zu post-operativen Verdauungsstörungen in der Palliativmedizin evaluiert, davon waren zwei
Behandlungsstudien und zwei untersuchten die präventive Wirkung [20]. Die Studien zur Prävention konnten keinen Unterscheid zwischen den Gruppen zeigen. In der Behandlung war die Akupunktur den Kontrollgruppen jeweils signifikant überlegen.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24338183


In der Übersichtsarbeit von Garcia et al. befassten sich 8 Studien mit der Behandlung oder Prävention von post-operativem Ileus [14]. Fünf davon zeigten positive Effekte für die Akupunktur. Allerdings hatten sechs der acht Studien ein hohes Risiko für systematische Fehler, bei den restlichen zwei war es unklar.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3577953/pdf/zlj952.pdf


Unsere Schlussfolgerung: Trotz der klinischen Bedeutung von Verdauungsstörungen bis hin zum Ileus existiert keine Übersichtsarbeit, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt. Die zwei Arbeiten, die das Thema mitbehandeln, geben positive Hinweise. Der Effekt scheint besser bei der Behandlung als bei der Prävention zu sein, aber auch dies kann sich mit weiteren Studien noch ändern. Die Daten rechtfertigen einen Präventions- und/ oder Behandlungsversuch, vor allem als add-on.

 


Miktionsstörungen:
Auch zu diesem Symptom existieren nur wenige Studien. Die in diesem Artikel bereits öfters zitierte Arbeit von Lian et al. fand vier Studien, die die Wirkung von Akupunktur auf post-operative Miktionsstörungen untersuchten. In allen vier chinesischen Studien wurde Akupunktur als add-on Therapie eingesetzt. In allen vier waren die Gruppen, die Akupunktur zusätzlich erhielten besser als die Gruppen ohne Akupunktur.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24338183


Unsere Schlussfolgerung: Die Ergebnisse scheinen auf den ersten Blick sehr positiv zu sein. Allerdings darf man nicht übersehen, dass die Akupunktur in allen vier Studien zusätzlich eingesetzt wurde. Damit ist es unmöglich zu beurteilen, ob die besseren Ergebnisse in den Akupunkturgruppen durch spezifische oder unspezifische Behandlungseffekte erzielt wurden. Für den einzelnen Patienten spielt diese Frage eine untergeordnete Rolle. Wenn ein Behandlungsversuch gewünscht wird, ist dieser gerechtfertigt, jedoch sollte der Patient über die Datenlage aufgeklärt werden.
Risiken und unerwünschte Wirkungen:
Insgesamt konnte in der Vergangenheit gezeigt werden, dass die Akupunktur ein sicheres und nebenwirkungsarmes Verfahren ist. In der Onkologie könnte es theoretisch sein, dass die Grunderkrankung des Patienten zu vermehrten Nebenwirkungen führt, beispielsweise, wenn die Blutgerinnung verändert ist. Leider machen nicht alle Studien Angaben zu beobachteten Nebenwirkungen, so dass nicht beurteilt werden kann, ob keine Nebenwirkungen auftraten, oder ob
diese nur nicht berichtet wurden. In den oben aufgeführten Studien wurden folgende Angaben zu Nebenwirkungen gefunden:
Hu et al. fanden beim Erstellen ihrer Übersichtsarbeit in 13 von 20 Arbeiten Angaben zu unerwünschten Wirkungen [16]: Dabei traten bei den Patienten, die mit Medikamenten behandelt wurden vor allem Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Schwindel, Erschöpfung und Harnverhalt auf. Bei den Akupunkturpatienten wurden subkutane Hämatome und Hämorrhagien, sowie Kreislaufprobleme bis zur Ohnmacht während der Akupunktur beschrieben.
Paley et al. erwähnen in ihrer Analyse von fünf Studien, dass zwei Studien keine Angaben zu unerwünschten Wirkungen machen, die restlichen drei Studien geben an, dass keine beobachtet wurden [24].
Chien et al. werteten fünf Studien zu Aromatase-inhibitor induzierten Arthralgien aus. Sie geben an, dass in keiner der fünf Studien über unerwünschte Wirkungen von Akupunktur berichtet wird [5].
Choi et al. werteten sechs Studien zu Schlafstörungen im Rahmen von Tumorerkrankungen aus. Die Hälfte der Arbeiten machten Angaben zu unerwünschten Wirkungen. Eine Arbeit berichtete keine Nebenwirkungen beobachtet zu haben. In einer Studie an 94 Patienten wurden 14 Fälle von Erschöpfung, Juckreiz oder Übelkeit beobachtet, davon fünf in der Verum-Akupunktur-, acht in der Sham- und einer in der Wartelisten-Gruppe. In einer anderen Studie an 60 Patienten gab es in der Akupunkturgruppe einen Fall mit Schmerzen, einen mit Blutung und in der Medikamentengruppe zwei mit Medikamentennebenwirkungen. Alle beobachteten Nebenwirkungen wurden als mild oder moderat eingestuft. Im Vergleich zu den Nebenwirkungen der eingesetzten Medikamente wurden sie außerdem als vernachlässigbar bezeichnet [6].
Bei den sechs von Choi et al untersuchten Arbeiten zur Moxibustion berichtete nur eine über unerwünschte Wirkungen. Hier kam es zu Rötung und Verbrennungen der Haut [8].
In der Übersichtsarbeit von Lee et al., die sich ebenfalls mit Moxa beschäftigte, erwähnte nur eine der vier Studien unerwünschte Wirkungen. Es handelte sich um einen Fall mit einer lokalen Verbrennung mit Brandblase [19].
Lian et al untersuchten die Wirkung von Akupunktur bei verschiedenen Indikationen in der Palliativmedizin. Leider fanden sich in 26 der untersuchten Studien keine Angaben zu unerwünschten Wirkungen. Sechs Studien gaben an keine unerwünschten Wirkungen durch Akupunktur beobachtet zu haben und in zwei Studien kam es zu leichten unerwünschten Wirkungen wie leichte Blutungen und Hämatome [20].
Unsere Schlussfolgerung: Aus anderen Einsatzgebieten der Akupunktur weiß man, dass es sich um ein sicheres und gut verträgliches Verfahren handelt. Der Patient und Akupunkteur sollten mit nicht-schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen wie leichte Blutungen, Blutergüsse und lokalen Infektionen rechnen. Auch eine erhöhte Kollapsneigung während und unmittelbar nach der Behandlung sollte berücksichtigt werden. Die Datenlage scheint bei Tumor- und palliativen Patienten zu zeigen, dass auch hier die Akupunktur gefahrlos eingesetzt werden kann. Die Nebenwirkungen sind oft geringer als die der entsprechenden medikamentösen Therapie. Da leider bisher nur eine Teil der Publikationen über die Häufigkeit und Art der unerwünschten Wirkungen berichtet, sollte die Akupunktur bei diesen Patienten ggfs. unter größere Sorgfalt bezüglich Infektions- und Blutungsrisiko
stattfinden. Hierzu existieren Publikationen mit grundsätzlichen Ratschlägen von erfahrenen onkologischen und palliativmedizinischen Akupunkteuren [12].
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