Akupunktur & Moxibustion bei Kopfschmerzen und Migräne   - die wissenschaftliche Studienlage:

1. In einer sehr aktuellen, großen und wichtigen Übersichtsarbeit untersuchten K. Linde und Kollegen den Effekt der Akupunktur zur Vorbeugung (Prophylaxe) von Migräne an 22 Studien mit insgesamt 4419 Patienten.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26760126

Die eingeschlossenen Studien vergleichen die Akupunktur mit

a) keiner Behandlung oder Routineversorgung

b) Minimal-Akupunktur

c) andere Behandlungen gegen Kopfschmerzen oder Migräne.

Die Studien zeigen, dass die Akupunktur einen zusätzlichen Benefit bei der Therapie von akuten Migräne Attacken bringt – entweder als alleinige Therapie aber auch als Zusatz zur Routineversorgung. Es scheint keinen wesentlichen Unterschied zwischen „echter“ Akupunktur und Minimal-Akupunktur zu geben. Doch weisen die Autoren drauf hin, dass die genauen Lokalisationen der „Minimal-Akupunktur-Punkte“ nicht klar beschrieben waren (und sie somit ggf. sehr ähnlich zur echten Akupunktur war). Sehr wichtig ist die dritte Aussage dieser Übersichtsarbeit: die Akupunktur ist genau so oder sogar effektiver als prophylaktische Medikamenteneinnahme – bei weniger Nebenwirkungen.

Zusammenfassung: die Akupunktur sollte zur Prophylaxe von Migräne einen festen Platz haben, wenn Patienten dies wünschen. Sie ist der medikamentösen Therapie gleichwertig oder überlegen – bei weniger Nebenwirkungen.

 

 

2. Zu der gleichen Aussage kommt im Grunde eine in der renommierten Zeitschrift „Headache“ von A. da Silva ebenfalls 2015 veröffentlichte Zusammenfassung der aktuellen Studienlage.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25683754

Nach der Analyse der Studien mit zum Teil sehr gutem Design und in hoher Qualität kommt der Autor zu dem Schluss, dass die Akupunktur mindestens so effektiv wie konventionelle medikamentöse Therapie zur Vorbeugung (Prophylaxe) von Migräne ist. Zudem ist diese Therapie sicher, lang anhaltend und kosteneffektiv. Es ist eine komplexe Behandlung, welche eine Veränderung des Lebensstils auslösen kann und daher wertvoll für die Genesung des Patienten sein kann.

Zusammenfassung: Akupunktur ist eine effektive Behandlung zur Prophylaxe von Migräne.

 

 

3. Eine internationale Gruppe von Forschern unter der Leitung von K. Linde hat in einer Übersichtsarbeit die Wirkung der Akupunktur bei Spannungskopfschmerz untersucht.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19160338

Es wurden elf Studien mit insgesamt 2317 Patienten eingeschlossen. Die Studien mussten einen Beobachtungszeitraum nach Abschluss der Therapie von mindestens acht Wochen beinhalten. Auch hier wurden folgende Parameter untersucht:

a) keine Behandlung oder Routineversorgung

b) Minimal-Akupunktur

c) andere Behandlungen gegen Spannungskopfschmerzen.

Zwei große Studien haben die Akupunktur mit der Standardversorgung verglichen. In beiden war die Akupunktur in den untersuchten Parametern (Ansprechen auf die Therapie, Anzahl der Kopfschmerztage und Schmerzintensität) der Standardversorgung signifikant überlegen. 47% der Patienten, die mit Akupunktur behandelt wurden, berichteten über eine mindestens 50-prozentige Reduktion der Anzahl der Kopfschmerzattacken, im Gegensatz zu 16% in der Kontrollgruppe. Dieser Effekt blieb bis zum Endpunkt der Studien nach drei Monaten bestehen. Fünf Studien lieferten Daten für den Vergleich von Akupunktur mit Minimal-Akupunktur. Die Akupunktur war auch der Minimal-Akupunktur in der Therapie von Spannungskopfschmerz statistisch signifikant überlegen.

Fünf Studien verglichen Physiotherapie, Massage und Entspannungsübungen (oder eine Kombination dieser Heilverfahren) mit Akupunktur. Laut den Autoren waren diese Studien schwer zu interpretieren, aber es scheint eine kleine Tendenz zu Gunsten dieser Techniken bei Spannungskopfschmerzen zu geben.

Schlussfolgerung: die Akupunktur ist eine wertvolle nicht-medikamentöse Therapie des Spannungskopfschmerzes und sollte bei Patienten mit häufigen oder chronischen Spannungskopfschmerzen eingesetzt werden.

 

 

4. 2012 wurde von A Vickers und Kollegen eine sehr große und wichtige Studie erstellt, die die individuellen Originaldatensätze von insgesamt 17922 Patienten analysierte, die bei chronischen Schmerzen Akupunktur erhalten hatten.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3658605/

Bezüglich chronischen Kopfschmerzen kamen die Autoren zu folgenden Schluss: Die Akupunktur kann die Schmerzen deutlich reduzieren. Dabei ist der Therapieerfolg mit der Akupunktur deutlich besser als ohne Akupunktur und auch im Vergleich zur Minimal-Akupunktur ist der Behandlungserfolg einer vollwertigen Akupunkturbehandlung besser.

Unsere Schlussfolgerung: Auf Grund dieser methodisch sehr guten und sehr großen Studie sollte Akupunktur einen Stellenwert in der Therapie von chronischen Kopfschmerzen haben. Dabei gibt es eindeutige Unterschiede zwischen der Wirkung von Akupunktur und Minimal-Akupunktur. Die Studie erlaubt die Schlussfolgerung, dass es nicht egal ist, wohin gestochen wird.

 

 

5. Eine kleine aber sehr hochwertige Studie von S. Gottschling aus dem Jahr 2008 untersucht, ob Laserakupunktur bei Kindern mit Migräne und Spannungskopfschmerz die Anzahl der Schmerztage und die Schmerzintensität reduzieren kann.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18022318

Die insgesamt 43 Kinder (22 Patienten mit Migräne, 21 Patienten mit Spannungskopfschmerz) wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Behandelt wurde nur vier Mal im Abstand von je einer Woche. Die eine Gruppe erhielt Akupunktur mit einem aktiven Laser, bei der anderen war der Laser inaktiviert und es wurde nur Licht abgegeben – für das menschliche Auge sah beides genau gleich aus. Daher wussten weder die Patienten noch die Behandler ,ob es sich um eine echte Therapie (Laser) oder Placebo (Licht) handelte. Diese sogenannte Verblindung ist in der Wissenschaft sehr wichtig, aber bei der Akupunktur – außer beim Laser – kaum zu gewährleisten, da der Therapeut bei der Akupunktur genau weiß, ob er die Nadel richtig gesetzt hat oder nicht. Genau diese Möglichkeit der Verblindung macht diese Studie so interessant und hochwertig.

Mit der Laserakupunktur verringerte sich die Anzahl der Kopfschmerztage pro Monat signifikant (von durchschnittlich 9,4 Tage/Monat auf durchschnittlich 2,4 Tage/Monat) im Gegensatz zur Placebogruppe (von durchschnittlich 9,0 Tage/Monat auf durchschnittlich 7,8 Tage/Monat). Auch die Schmerzintensität und die Anzahl an Kopfschmerzstunden pro Monat war signifikant geringer bei den Kindern die Laserakupunktur erhalten hatten. Dieser Effekt war auch 4 Monate nach Ende der Therapie genau so stark messbar.

Die Autoren ziehen den Schluss, dass Laserakupunktur bei Kindern  mit Kopfschmerzen einen signifikanten Vorteil bringen kann und dass aktiver Laser einem Placebolaser überlegen ist.

Unsere Empfehlung: Laserakupunktur sollte bei Kindern mit Migräne oder Kopfschmerzen eingesetzt werden. Die Wirkung ist lang andauernd.

 

6. In einer Übersichtsarbeit aus China untersuchen  L. Zhao und Kollegen den Effekt der Akupunktur bei „neurovaskulärem Kopfschmerz“. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21526365

Die Bezeichnung „neurovaskulärer Kopfschmerz“ fasst verschiedene Kopfschmerzarten (Migräne, Cluster Kopfschmerz und Kopfschmerzen auf Grund von Toxinen (Gifte)) zusammen und ist inzwischen überholt. Diese Übersichtsarbeit schließt 16 sehr heterogene Studien mit insgesamt 1535 Patienten ein. Verglichen wird die Wirkung der Akupunktur mit verschiedenen konventionellen Methoden der westlicher Medizin. Trotz der Heterogenität der Studien kommen die Autoren zum Schluss, dass die Akupunktur besser gegen neurovaskulären Kopfschmerz hilft als konventionelle westliche Medizin. Sechs der 16 Studien kommen zu der Aussage, dass ganzheitliche Akupunktur (Körperakupunktur plus z.B: Schädelakupunktur, Ohrakupunktur) besser hilft als Körperakupunktur allein.

Eine der in diese Übersichtsarbeit eingeschlossene  Studie beschreibt beim Vergleich von Schädelakupunktur mit dem Medikament Nimodipin, einem „Kalzium-Kanal-Blocker“, dass die Akupunktur besser half als das Medikament. Eine andere Studie zeigt, dass Ohrakupunktur den Blutdruck reduzieren und den Blutfluss in den Arterien des Kopfes verbessern kann.

Generell wurden extrem wenig Nebenwirkungen beschrieben.

Unsere Schlussfolgerung: Auf Grund der eher geringen Qualität und großen Heterogenität der Primärstudien muss mit den Ergebnissen vorsichtig umgegangen werden. Doch kann man sagen, dass verschiedene Techniken der Akupunktur einen positiven Effekt auf verschieden Arten von Kopfschmerzen haben und dass diese Techniken sehr sicher und nebenwirkungsarm sind.

 

 

7. Eine randomisiert kontrollierte Studie von L. Wang und Kollegen mit 140 Patienten hat untersucht, ob Akupunktur effektiver in der Vorbeugung von Migräneattacken ist als Medikamenteneinnahme.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21616596

Dazu wurden die Patienten in zwei Gruppen eingeteilt. Eine erhielt drei Mal pro Woche Akupunktur an bei Migräne indizierten Akupunkturpunkten und eine Placebotablette zur Nacht für vier Wochen. Die Kontrollgruppe erhielt für den selben Zeitraum drei Mal pro Woche Akupunktur an nicht Kopfschmerz-typischen Punkten an Knie und Ellenbogen und zur Nacht eine Tablette Flunarizine (Dosis: zunächst 10 mg dann 5 mg für je 2 Wochen), das zur vorbeugenden Behandlung von Migräne eingesetzt werden kann. Kopfschmerzintensität, Anfallshäufigkeit, Kopfschmerztage und Lebensqualität wurden vor Beginn der Studie, direkt nach der Behandlung und 12 Wochen nach der Behandlung gemessen. Die Verum-Akupunkturgruppe sprach signifikant besser an und hatte weniger Kopfschmerztage als die Kontrollgruppe, die das Medikament plus unspezifischer Akupunktur erhalten hatten. Tendenziell besser, aber nicht signifikant unterschiedlich, war die Lebensqualität der Akupunkturgruppe.

Unsere Empfehlung: nach den Ergebnissen dieser Studie ist die Akupunktur der üblichen Standardmedikation vorbeugenden Behandlung von Migräne bezüglich der Schmerztage überlegen, sogar wenn die Standardmedikationmit Shamakupunktur kombiniert wird, und sollte daher zum Einsatz kommen. Kein Unterschied bestand  jedoch zwischen beiden Gruppen bezüglich Schmerzintensität und Lebensqualität.

 

 

8. Zu einer ähnlichen Aussage zur Vorbeugung von Migräneattacken kommt eine taiwanesischen Studie von C. Yang und Kollegen aus 2011.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22019576

Sie hat 66 Patienten in zwei gleichgroße Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt über 12 Wochen zwei Mal die Woche Akupunktur mit der selben, nicht individuellen Punktekombination, die andere nahm über den selben Zeitraum täglich das Migränemedikament Topiramate. Die Dosis wurde langsam gesteigert bis zu einer Tagesdosis von 84mg. In der Akupunkturgruppe kam es zu einer signifikanten Reduktion von durchschnittlich 20,2 auf durchschnittlich 9,8 Kopfschmerztage pro Monat, in der Medikamentengruppe konnte die durchschnittliche Anzahl an Kopfschmerztage nur von durchschnittlich 19,8 auf durchschnittlich 12,0 gesenkt werden. Die Akupunkturgruppe brauchte signifikant weniger Notfallmedikation als die Medikamentengruppe. Auch waren nach der Behandlung in der Akupunkturgruppe die Ergebnisse des Lebens-Qualitäts-Fragebogen (SF-36) der der Medikamentengruppe signifikant  überlegen. Die Nebenwirkungen bei der Akupunkturgruppe wurden mit 6% angegeben, in der Medikamentengruppe mit 66%. Zudem waren die Nebenwirkungen hier eher gravierend: nervale Fehlempfindungen (Parästhesien), verringerte Merkfähigkeit, Schläfrigkeit, Schwindel, Müdigkeit.

Zusammenfassung: Die Ergebnisse der Studie zeigen dass die Akupunktur die Anzahl der Kopfschmerztage signifikant mehr reduziert als das Standardmedikament Topiramate und zudem signifikant nebenwirkungsärmer ist. Diese Effekte zeigten sich auch bei Patienten mit übermäßigem Medikamentenverbrauch.

 

 

9. Eine Übersichtsarbeit aus der Kinderheilkunde von S. Schetzek und Kollegen fasst im Jahr 2013 den aktuellen Wissensstand der komplementären und alternativen Medizin (complementary and alternative medicine – CAM) bei Spannungskopfschmerzen mit Angabe des Evidenzniveaus nach Sackett zusammen.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22019576

Sie führt Arbeiten zu Akupunktur, Homöopathie, Nahrungsergänzungsmittel, Kräutertherapie, manueller Therapie (inklusive Osteopathie) auf. Wir haben die Tabelle zur Akupunktur aus diesem Artikel übernommen und adaptiert.

Artikel

Patienten- Gruppe

Behandlung

Studien-

Design

Level der Evidenz

Ergebnis

Pintov et al 1997

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=9367292

 

Kinder

Akupunktur bei Migräne

OT

C

Migränefrequenz und -intensität: signifikante Reduktion nach Akupunktur im Gegensatz zu Minimal-Akupunktur

Gottschling et al 2008 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18022318

 

Kinder

Laserakupunktur bei Migräne und Spannungskopfschmerz

RCT

B

Akupunktur: Reduktion der Anzahl von Kopfschmerzen. Kopfschmerzstunden pro Monate und Intensität – im Gegensatz zur Minimalakupunktur

Linde et al 2009 a http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19160193

 

v.a. Erwachsene

Akupunktur bei Migräne

MA

A

Akupunktur hilft besser bei akuten Migräneattacken als Standardtherapie. Akupunktur überwiegt nicht Minimal-Akupunktur

Linde et al http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19160338

 

v.a. Erwachsene

Akupunktur bei Spannungskopfschmerz

MA

A

Akupunktur bringt Benefit im Vergleich mit Standardtherapie, Minimal-Akupunktur und anderen Therapien

Vickers et al http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3658605/

 

Alle Altersgruppen

Akupunktur bei chronischem Schmerz

MA

A

Akupunktur überwieg Minimal-Akupunktur

Melchart et al 2001 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Melchart+J+Intern+Med.+2003+Feb%3B253%282%29%3A181-8

 

Erwachsene

Sumatriptane oder Akupunktur bei akuter Migräneattacke im Vergleich gegen Placebo

RCT

B

Sumatriptan und Akupunktur sind signifikant besser als Placebo. Das Medikament wirkt schneller als Akupunktur

 

Tabelle adaptiert aus (9)

Studiendesign: MA = Übersichtsarbeit (Metaanalyse), OT= Offene Beobachtungsstudie (open trial), RCT =randomisiert kontrollierte Studie

Level der Evidenz: Level A: mind. zwei kontrolliert, randomisierte, klinische Studien; Level B: mind. eine kontrolliert, randomisierte, klinische Studie; Level C: Fallbericht, Expertenmeinung, nicht randomisierte Studie, länger zurückliegender Bericht

Zusammenfassend kommen die Autoren zu folgendem Schluss: Verhaltensänderungen, Entspannungstechniken, Biofeedback und Schmerzbewältigung sollten Therapie der ersten Wahl bei Kopfschmerzen von Kindern sein. Des Weiteren sollte jeder Kopfschmerzpatient ein persönliches, auf ihn zugeschnittenes psychologisches und pharmakologisches Behandlungsschema bekommen. Als weitere Option kann die Komplementärmedizin auch eingesetzt werden. Die Autoren bemängeln die geringe Anzahl an Studien zur Behandlung von Kopfschmerzen bei Kindern – dies würde dazu führen, dass das Niveau der Evidenz bei Medikamenten besser ist als bei CAM.

Unsere Empfehlung: Obwohl noch mehr Studien zur Behandlung von Kopfschmerzen bei Kindern mit der Akupunktur notwendig sind, sprechen die vorhandenen Daten klar für die Wirksamkeit der Akupunktur zur Behandlung von Kopfschmerzen bei Kindern und sollte daher eingesetzt werden.

 

 

10. Einen interessanten Ansatz verfolgt eine schwedische Studie von Söderberg und Kollegen aus  dem Jahr 2011.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=S%C3%B6derberg+EI1%2C+Carlsson+JY%2C+Stener-Victorin+E+et+al+Subjective+well-being+in+patients+with+chronic+tension-type+headache%3A+effect+of+acupuncture%2C+physical+training%2C+and+relaxation+training.+Clin+J+Pain.+2011%2C+27%285%29%3A448-56

Sie untersucht das subjektive Wohlbefinden und Lebensqualität bei Patienten mit chronischem Spannungskopfschmerz seit mindestens 6 Monaten an mindestens 15 Tagen pro Monat. Dazu wurden 90 Patienten randomisiert in 3 Gruppen eingeteilt. Sie erhielten entweder Akupunktur, Physiotherapie oder wurden in Entspannungstechniken angeleitet. An Hand von standardisierten Fragen wurden die drei Kategorien Zufriedenheit, Vitalität und Schlaf vor den Verfahren, direkt im Anschluss sowie drei und sechs Monate nach der letzten Intervention abgefragt. Die Akupunktur wurde von Physiotherapeuten in Schweden 10-12 Mal innerhalb von 10-12 Wochen durchgeführt.

Direkt nach der Therapie gab es keinen Unterschied zwischen den drei behandelten Gruppen. Die Gruppe die Physiotherapie erhalten hatte, konnte allerdings nach 3 Monaten eine signifikante Verbesserung im Vergleich zur Akupunkturgruppe bei den abgefragten zentralnervösen Symptome erreichen. Dieser Effekt war nach 6 Monaten nicht mehr vorhanden. Die Parameter Vitalität und Schlaf waren in der Nachuntersuchung nach 6 Monaten in der Entspannungsgruppe signifikant besser als in der Akupunkturgruppe. Insgesamt konnten alle Patienten von den Therapien profitieren.

Empfehlung: Auch Physiotherapie und Entspannungstechniken sind effektive Methoden, um chronischen Spannungskopfschmerz zu behandeln. Wichtige Anmerkung: Die Akupunktur wurde in dieser Studie nicht von Ärzten, sondern Physiotherapeuten durchgeführt. In Deutschland ist dies nicht erlaubt.

 

 

11. Eine systematische Übersichtsarbeit von  S. France und Kollegen aus 2014 zu Spannungskopfschmerz und Kopfschmerzen, die von der Halswirbelsäule ausgehen, untersucht an Hand von drei Studien, ob zusätzlich zur konventionellen Physiotherapie die Behandlung von muskulären Verspannungen, so genannten Triggerpunkten, mit Akupunktur (Dry needling) einen weiteren Benefit bringt.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24623124

Alle drei Studien zeigen eine signifikante Verbesserung der Beschwerden nach der Therapie, allerdings keinen Unterschied zwischen den einzelnen Gruppen.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Datenlage sehr dünn ist und daher eine abschließende Bewertung noch schwierig ist. Doch die vorhandenen Daten weisen drauf hin, dass die Triggerpunktakupunktur (Dry needling) bei Spannungskopfschmerz gut zu helfen scheint. (Mehr Information zu Akupunktur bei myofaszialen Schmerzen folgt in dieser Serie)

 

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Basic Source: Literaturliste des WissZ (online: www.daegfa.de)

Autoren: Stör J;